SUCCESS Backstage

Maggie, Milan und der Moderne Salon

Der moderne Büromensch wird vor allem durch zwei Dinge gegeißelt: Telefon und E-Mail. Wenn das eine mal nicht fortwährend klingelt, nutzt das andere geschickt die Pausen und kündigt die Ankunft neuer Information mit einem lauten, deutlichen Piep an. In jedem Fall bleibt das Ergebnis der akustischen Bemühungen beider Nervensägen immer gleich: Arbeit!

Unlängst kämpfte ich in meinem Büro einmal wieder mit den Widrigkeiten des Büro-Alltags, da erhielt ich einmal wieder eine Mail. Dieses gelesen, rief ich allerdings unversehens aus: "Au ja"! Die nicht ganz unwichtige US-amerikanische Friseur-Zeitschrift ‚Modern Salon' trug sich mit dem Gedanken, in unserer Hauptstadt Fotos zu ‚shooten', und dazu brauchte sie unsere Hilfe. Fotos knipsen, in Berlin, toll! Ich las weiter!

Für ihre Februar-Ausgabe planten sie ein paar Seiten mit dem Titel ‚German Spring'. Und um diesen deutschen Frühling richtig in Szene setzen zu können, suchte man nun einen modernen, extravaganten und angesagten Salon mitten in Berlin. Zwei Models wären auch nicht schlecht, schrieben sie, und wenn diese auch noch angezogen wären (na ja, dem Thema entsprechend) und im Schlepptau eine Visagistin hätten, würde uns die Chefredakteurin von ‚Modern Salon' lange Zeit zu Dank verpflichtet sein.

Ich griff zum Telefon und ließ es woanders lange klingeln. Kollege ‚Berlin - Außendienst' antwortete und wusste auch sofort, wo das Shooting stattfinden kann/soll: Salon Monsieur Milan in der Clausewitzstraße (Richtung Messe, auf halber Höhe Kudamm rechts ab). Schnurstracks rief ich Monsieur Milan an, der auf unseren Vorschlag, bei ihm Models zu fotografieren, die er zuvor gestylt haben müsse, mir spontan "Au ja!" durch den Hörer zurief. Obwohl wir den Salon nicht zuvor in Augenschein nehmen konnten, fühlten wir, dass diese Sache eine runde werden würde.

Die wurde es dann auch. Als meine Kollegin und ich, wie immer und überall zu spät, den Salon betraten, hatten die beiden Models, Simone und Klara, bereits Wasser und Schere gesehen. Noch viel später erschienen eine genervte ‚Modern Salon'-Redakteurin, Maggie Mulhern, und ihr Fotograf, Akien Girav - sie hatten sich hoffnungslos in Berlin, nein, nicht verliebt, sondern verfahren. Aber es wären keine Amerikaner gewesen, hätten sie nicht sofort ihr Lächeln wiedergefunden und im gleichen Moment angefangen, hoch konzentriert zu arbeiten.

Vorher-Nachher-Bilder sollte es geben. Und Akiens Linse entging nichts. Jede Phase des Stylens, Fönens und Farbe-Auftragens wurde festgehalten. Step-by-Step-Fotos nennt man das. Und während Milans Figaros den Models die Köpfe zurecht rückten, führte uns der Meister durch seinen Salon: "Bei mir bekommen alle, was sie brauchen - Lieschen Müller oder Berliner Operndiva." Er schlenderte mit uns über die rund 150 m? an allen 15 Bedienplätzen vorbei: "Der Umbau ist noch nicht ganz fertig, ist aber doch schon ganz schön geworden?"

Da hat er recht! Eine gelungene Mischung aus Moderne und Gründerzeit, dessen Prunkstück die im Art Deco gehaltene übergroße Vitrine ist, die hinter Rosenholz und Aluplatte elegant Handtücher und Friseur-Gerätschaft verbirgt. In einem solchen Ambiente nimmt es auch nicht weiter Wunder, dass Simone und Klara durch des Meisters Jünger schließlich atemberaubend aussahen. Die Fotos waren nur noch Formsache. Akien glühte der Zeigefinger!

Tja, und dann saß der Büromensch wieder an seinem Schreibtisch und lauschte der Kollegin, wie schön sie die beiden Tage in Berlin fand. "Könnte ruhig öfters passieren", sagte ich. "Au ja", sagte sie.

Frank Imbescheid, Mitarbeiter der Wella-Pressestelle